Reichenbach im VogtlandReichenbach im Vogtland
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Rudolf Ladewig

Rudolf LadewigArchitekt

geb. am 30. April 1893 in Brodersdorf bei Rostock
gest. im April 1945 im KZ Neuengamme

Nach dem Realschulbesuch in Rostock nahm Ladewig eine Maurerlehre an der Baugewerkeschule Holzminden auf, die er später am Polytechnischen Institut in Strelitz (Mecklenburg) fortsetzte. Im August 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde auf Grund einer Verletzung 1916 aus der Armee entlassen und beendete im Oktober 1918 seine Ausbildung in Strelitz. 1919 bekam er eine Anstellung als  Stadtarchitekt in Waldenburg (Oberschlesien). Bei der Stadt Reichenbach bewarb er sich auf eine Anzeige als 1. Architekt und war von November 1925 bis September 1926 in städtischen Diensten. Nach zweijähriger freiberuflicher Tätigkeit wurde er ab 1. Mai 1928 erneut bei der Stadt angestellt. Ladewigs Aufgaben erstreckten sich auf Entwurf, Ausarbeitung und Bauleitung von städtischen Hochbauten. Unter seiner wesentlichen Mitwirkung entstanden der Wasserturm, die Textilfachschule, eine Siedlung am Erlicht, Wohnbauten an der Schützen- und Bebelstraße, das Krematorium und ein Obdachlosenhaus. Wegen der wirtschaftlichen Notlage mussten die Abteilungen Entwurf und Bauleitung aufgelöst werden, so dass er zum Jahresende 1931 gekündigt wurde.
Ladewig befasste sich mit der theoretischen und praktischen Lösung der Kleinwohnungsfrage und dem Entwurf von neuartigen Haustypen, die sich durch außerordentliche Wirtschaftlichkeit, eine einwandfreie Raumanordnung und gute Ausstattung auszeichneten. 1932/33 baute er in Reichenbach die Sternsiedlung, die zu seinem Markenzeichen wurde. Er gründete mit dem Leipziger Architekten Dr. Anacher eine Arbeitsgemeinschaft, um das Projekt der Leipziger Sternsiedlung zu betreiben. 1936 zog er mit seiner Familie nach Hamburg. Wegen der jüdischen Abstammung seiner Frau durften die beiden Kinder nicht an der Hansischen Hochschule studieren. Nach dem Tod seiner Ehefrau, der nie aufgeklärt wurde, schloss er sich dem Widerstand an und zog zu einer Freundin. Im März 1945 wurde Ladewig verhaftet und mit seinen Kindern kurz vor Kriegsende im KZ Neuengamme ermordet.